Benutzer: Vanessa-Nadine Sternath/Werkstatt: Unterschied zwischen den Versionen

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Dieser Artikel ist Teil einer [[:Kategorie:Reihen|Reihe]]. Er dient als Einführung in ein [[:Kategorie:Ökofeminismus in der Vormoderne|Schwerpunktthema]], in dem '''vormoderne Texte''' aus [[:Kategorie:Literaturwissenschaft|literaturwissenschaftlicher]] Perspektive ökofeministisch '''analysiert''' werden. Die [[Analyse_von_Pressetexten#Einzelbeitr.C3.A4ge_der_Reihe_.E2.80.9EAnalyse_von_Pressetexten.E2.80.9C|Einzelbeiträge der Reihe]] finden Sie weiter unten.
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= Menschen-Pflanzen-Verhältnisse =
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Dieser Artikel dient als Einführung in einen Teilkomplex der kulturwissenschaftlichen Plant Studies: Menschen-Pflanzen-Verhältnisse, Menschen-Pflanzen-Beziehungen oder Menschen-Pflanzen-Relationen. Sie stellen nach Stobbe, Kramer und Wanning einen der fünf thematischen Aspekte der Plant Studies dar, <ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli|Titel=Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Sammelband=Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Ort=Berlin|Verlag=Peter Lang|Jahr=2022|Reihe=Studies in Literature, Culture, and the Environment 10|Seite=11-31, hier S. 16}}{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte|Titel=Plant Studies|Sammelband=Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘|Herausgeber*in=Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian|Ort=Berlin/Boston|Verlag=de Gruyter|Jahr=2025|Seite=417-434, hier S. 426}}</ref> wobei die Grenzen zwischen den einzelnen Aspekten fließend sein können, und beschäftigen sich mit verschiedenen Leitfragen. Diese dienen in diesem Beitrag im Anschluss an die Frage, warum Pflanzen oft übersehen wurden und werden, sowie an eine terminologische Hinführung zum Thema als Gliederungspunkte der Aspekte von Menschen-Pflanzen-Verhältnissen.
  
In der Mediävistik wurde bisher noch kaum mit ökofeministischen Ansätzen gearbeitet. Diese Einführung in ökofeministische Lektüren mittelalterlicher Texte soll den Grundstein für eine tiefere Beschäftigung mit dieser auch in vormodernen Kontexten fruchtbaren Methode legen.
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== ''plant blindness'' – Pflanzenblindheit ==
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Der Begriff plant blindness, zu Deutsch ‚Pflanzenblindheit‘, stammt aus der Botanik und impliziert das menschliche Unvermögen, Pflanzen in der eigenen Umgebung wahrzunehmen. Daraus können Unaufmerksamkeit gegenüber und Unterrepräsentation von Pflanzen resultieren.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Wandersee, James H./Schussler, Elisabeth E.|Titel=Towards a Theory of Plant Blindness|Zeitschrift=Plant Science Bulletin. Bulletin of the Botanical Society of America|Band=47|Nummer=1|Jahr=2001|Seite=2-9, hier S. 3|Online=https://cms.botany.org/userdata/IssueArchive/issues/originalfile/PSB_2001_47_1.pdf|Abruf=10.03.2025}}</ref> Wandersee und Schussler definieren plant blindness als
  
== Ökofeminismus ==
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(a) the inability to recognize the importance of plants in the biosphere, and in human affairs; (b) the inability to appreciate the aesthetic and unique biological features of the life forms belonging to the Plant Kingdom; and (c) the misguided, anthropocentric ranking of plants as inferior to animals, leading to the erroneous conclusion that they are unworthy of human consideration [...].<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Wandersee, James H./Schussler, Elisabeth E.|Titel=Towards a Theory of Plant Blindness|Zeitschrift=Plant Science Bulletin. Bulletin of the Botanical Society of America|Band=47|Nummer=1|Jahr=2001|Seite=2-9, hier S. 3|Online=https://cms.bot any.org/userdata/IssueArchive/issues/originalfile/PSB_2001_47_1.pdf|Abruf=10.03.2025}}</ref>
'''Ökofeminismus''' oder feministische Ökokritik, im Englischen ''Ecofeminism'', ''Feminist Environmentalism'' oder ''Gender and the Environment'', stellt die Verbindung intersektionaler und ökokritischer Kategorien von Differenz, Macht und Unterdrückung dar, die Konstrukte ihres jeweiligen historischen, kulturellen, sozialen und religiösen Kontexts sind und deshalb als veränderbar und manipulierbar gedacht werden müssen.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=MacGregor, Sherilyn|Titel=Gender and Environment: An Introduction|Herausgeber*in=MacGregor, Sherilyn|Sammelband=Routledge Handbook of Gender and Environment|Jahr=2017|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Seite=1-24, hier S. 2}}</ref> Die Verknüpfung der Konzepte Gender und ''environment'' betrifft nach Gaard/Estok/Oppermann u. a. Fragen der Interspezies-Gerechtigkeit sowie Analysen von Macht, Gender und Ökologie.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta/Estok/Simon C./Oppermann, Serpil|Titel=Introduction|Zeitschrift=Routledge Interdisciplinary Perspectives on Literature 12|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2013|Seite=1-16, hier S. 1}}</ref> Dabei ist es fruchtbar, Gender nach MacGregor als Verb („to gender“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=MacGregor, Sherilyn|Titel=Gender and Environment: An Introduction|Herausgeber*in=MacGregor, Sherilyn|Sammelband=Routledge Handbook of Gender and Environment|Jahr=2017|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Seite=1-24, hier S. 3}}</ref>) zu verstehen, um die Prozesshaftigkeit soziokultureller Zuschreibungen zu markieren: „There are sociocultural processes of ‚genderization‘ at work in assigning gendered traits to living beings and inanimate things, as well as to practices, feelings, and roles.“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=MacGregor, Sherilyn|Titel=Gender and Environment: An Introduction|Herausgeber*in=MacGregor, Sherilyn|Sammelband=Routledge Handbook of Gender and Environment|Jahr=2017|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Seite=1-24, hier S. 3}}</ref> Dass der Begriff ''environment'' ('Umwelt' bzw. 'Umgebung') sehr oft mit nicht-menschlicher Natur gleichgesetzt und demzufolge vom Menschen losgelöst betrachtet wurde, kritisiert MacGregor:
 
  
<blockquote>„The concept generally refers to the habitat or living space surrounding all living things, but mostly humans. The dominant use of the term ‚the environment‘ refers to the non-human natural environment or ‚nature‘. Environment and nature are often used as synonyms, along with ‚ecosystem‘, ‚biosphere‘, and planet earth. In the environmental social sciences and humanities, ‚the environment‘ has been commonly understood as the natural environment, and positioned as being distinct from (albeit interconnected with) human society.“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=MacGregor, Sherilyn|Titel=Gender and Environment: An Introduction|Herausgeber*in=MacGregor, Sherilyn|Sammelband=Routledge Handbook of Gender and Environment|Jahr=2017|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Seite=1-24, hier S. 3}}</ref></blockquote>
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Wandersee und Schussler benennen neun Symptome von plant blindness:
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1. das Übersehen von Pflanzen im Alltag
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2. die Annahme, dass Pflanzen nur als Kulisse von Tieren dienen
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3. Irrtümer über pflanzliche Lebensbedürfnisse und -bedingungen
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4. das Nicht-Beachten der Bedeutung von Pflanzen im täglichen Leben
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5. das Versäumnis, zwischen pflanzlichen und tierlichen Zeitkonzepten zu unterscheiden
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6. der Mangel an Praxiserfahrungen im Hinblick auf den Anbau, die Beobachtung und die Bestimmung von Pflanzen in der eigenen geographischen Region
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7. das Versagen hinsichtlich grundlegenden Wissens über Pflanzen in der eigenen geographischen Region: Pflanzenwachstum, Ernährung, Fortpflanzung und ökologische Aspekte
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8. das mangelnde Bewusstsein, dass Pflanzen zentral für den CO2-Kreislauf sind
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9. das mangelnde Bewusstsein für pflanzliche Ästhetik und ihre Strukturen: Anpassungen, Koevolution, Farben, Ausbreitung, Vielfalt, Wachstumsgewohnheiten, Düfte, Größen, Geräusche, Abstände, Stärke, Symmetrie, Taktilität, Geschmack und Textur<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Wandersee, James H./Schussler, Elisabeth E.|Titel=Towards a Theory of Plant Blindness|Zeitschrift=Plant Science Bulletin. Bulletin of the Botanical Society of America|Band=47|Nummer=1|Jahr=2001|Seite=2-9, hier S. 3|Online=https://cms.botany.org/userdata/IssueArchive/issues/originalfile/PSB_2001_47_1.pdf|Abruf=10.03.2025}}</ref>
  
Versteht man Natur lediglich im Sinne ihres lateinischen Ursprungsverbs nascere, ‚geboren werden‘ (Partizip Perfekt Passiv ''natus'', ‚geboren‘), so wird sie auf eine essentialistische Bedeutungsnuance reduziert, was jegliche „natürliche“ Eigenschaft als angeboren, unveränderbar und somit endgültig impliziert und daher normalisiert: „To attribute any behavior to our ‚nature‘, take rape, for example, is to normalize the behavior as inevitable and innate. When any human activity, action or behavior is labeled ‚natural‘, such behavior may then be used to justify domination“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=24}}</ref>. So können Hierarchien aus der Natur, etwa das Schema Raubtier und Beute, in Kontexte menschlicher Hierarchien übernommen werden und diese Hierarchien legitimieren.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=25}}</ref>
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In diesem Sinne ist ein Umdenken im Umgang mit Pflanzen nötig, das zur Sichtbarmachung und [[Buen_Vivir_–_Das_„Gute_Leben“_in_Ecuador|Wertschätzung pflanzlichen Lebens]] führt. Dazu liefern die Plant Studies durch die Beforschung von Menschen-Pflanzen-Beziehungen Impulse.
  
Hunnicutt schreibt bezüglich des menschlichen Blicks auf Natur von der engen Kongruenz von Sprache und sozialen Strukturen, die die Natur oft als bedrohliche Kraft inszenieren.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=29}}</ref> Diese sprachlichen Realisierungen, in denen mehr-als-menschliche Entitäten als die ‚Anderen‘ dargestellt werden, gilt es, zu hinterfragen, denn: „Words matter because language transmits and replicated attitudes, beliefs, behaviors, and practices“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=30}}</ref>.
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Interrelationen
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Der Begriff ,Interrelation‘ bedeutet, dass Pflanzen und Menschen „in Beziehung zueinander“ und in einem „wechselseitigen, netzwerkartigen Resonanzverhältnis“ <ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte|Titel=Plant Studies|Sammelband=Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘|Herausgeber*in=Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian|Ort=Berlin/Boston|Verlag=de Gruyter|Jahr=2025|Seite=417-434, hier S. 418}}</ref> stehen. Diese Beziehung ist einerseits geprägt von der Abhängigkeit der menschlichen Existenz von Pflanzen, <ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte|Titel=Plant Studies|Sammelband=Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘|Herausgeber*in=Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian|Ort=Berlin/Boston|Verlag=de Gruyter|Jahr=2025|Seite=417-434, hier S. 419}}</ref> andererseits lässt sich „gezielt kollaborativen Interaktionsformen“ <ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte|Titel=Plant Studies|Sammelband=Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘|Herausgeber*in=Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian|Ort=Berlin/Boston|Verlag=de Gruyter|Jahr=2025|Seite=417-434, hier S. 417}}</ref> von menschlichen und vegetabilen Entitäten nachspüren.
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Aus der Biologie stammend, wird hier der Prozess der Koevolution aufgegriffen und für die [[:Kategorie:Literaturwissenschaft|literatur-]] literatur- und [[:Kategorie:Kulturwissenschaft|kulturwissenschaftliche]] Forschung fruchtbar gemacht. Koevolution meint im engeren Sinn reziproke, adaptive genetische Veränderungen zwischen interagierenden Spezies.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Woolhouse, Mark E. J./Webster, Joanne P./Domingo, Esteban/Charlesworth, Brian/Levin, Bruce R.|Titel=Biological and biomedical implications of the co-evolution of pathogens and their hosts|Zeitschrift=nature genetics|Band=32|Jahr=2002|Seite=569-577 |Online=https://www.nature.com/articles/ng1202-569|Abruf=10.03.2025}}</ref> Wenn speziell die Interrelationen von Menschen mit mehr-als-menschlichen Spezies thematisiert sind, wird der Begriff allerdings auch unter dem weiteren Phänomen eines generellen Selektionsdrucks, also notwendig werdender Anpassungen an Umweltveränderungen<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stephens, Christopher|Titel=Selection, Drift, and the “Forces” of Evolution|Zeitschrift=Philosophy of Science|Band=71|Jahr=2004|Seite=550-570, hier S. 562}}</ref> gefasst und bezieht sich nicht mehr konkret auf einen Wandel von Genmaterial.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Winiwarter, Verena/Knoll, Martin|Titel=Umweltgeschichte. Eine Einführung|Ort=Köln|Verlag=Böhlau Verlag|Jahr=2007|Seite=245}}</ref>
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Für die kulturwissenschaftlichen Plant Studies bedeutet dies in der Folge einen „‚Shift‘ der Objekt-Subjekt-Verkehrung: Statt dass der Mensch etwas mit Tieren und Pflanzen ‚macht‘, indem er sie seinen Bedürfnissen entsprechend ‚nutzt‘ und sie in jedem Fall zu Objekten seines Handelns macht, sind es nun die Tiere und Pflanzen, die etwas mit den Menschen ‚machen‘“.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte|Titel=Plant Studies|Sammelband=Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘|Herausgeber*in=Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian|Ort=Berlin/Boston|Verlag=de Gruyter|Jahr=2025|Seite=417-434, hier S. 424}}</ref>
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Daran schließt nicht nur Latours Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) mit ihrer Anschauung von Welt(en) als sich ständig verändernde(s) Netzwerk(e)<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Latour, Bruno|Titel=Eine neue Soziologie für enie neue Gesellschaft. Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie|Ort=Frankfurt am Main|Verlag=Suhrkamp|Jahr=2022}}</ref> an, sondern auch Haraways Ansätze von companion species<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Haraway, Donna|Titel=The Companion Species Manifesto. Dogs, People, and Significant Otherness|Ort=Chicago|Verlag=Prickly Paradigm Press|Jahr=2003}}</ref> und kinship<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Haraway, Donna|Titel=Staying with the Trouble. Making Kin in the Chthulucene|Ort=Durham/London|Verlag=Duke University Press|Jahr=2016}}</ref> – alles ist mit etwas verbunden. Ebenso Kimmerers Zugänge im Sinne von kinship, reciprocity und care,<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kimmerer, Robin Wall|Titel=Braiding Sweetgrass. Indigenous Wisdom, Scientific Knowledge, and the Teaching of Plants|Ort=Minneapolis|Verlag=Milkweed Editions|Jahr=2013}}</ref> also Verwandtschaft, Reziprozität – nehmen Menschen von Pflanzen, so geben sie ihnen unweigerlich auch etwas – sowie Pflege und Fürsorge reihen sich hier ein: Ein Miteinander ist nicht als Handel oder gar Ausbeutung zu verstehen, sondern als gegenseitige Kultur des Schenkens, die Beziehung(en) aufbaut.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kimmerer, Robin Wall|Titel=Braiding Sweetgrass. Indigenous Wisdom, Scientific Knowledge, and the Teaching of Plants|Ort=Minneapolis|Verlag=Milkweed Editions|Jahr=2013|Seite=20-21}}</ref> Nicht zuletzt Dürbeck, Stobbe und Zemanek fokussieren den »wechselseitige[n] Austausch« im Interspezies-Kontakt<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in= Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte/Zemanek, Evi|Titel= Netzwerke des Lebendigen: Multispecies agencies und Formexperimente in hybriden Genres. Einleitung|Herausgeber*in=Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte/Zemanek, Evi|Sammelband=Netzwerke des Lebendigen: Multispecies agencies und Formexperimente in hybriden Genres|Ort=Göttingen|Verlag=V & R unipress|Jahr=2023|Reihe=Transpositiones 2/2|Seite=9-12, hier S. 10}}</ref> (siehe natureculture-Ansatz nach Haraway) und üben im Sinne Haraways Kritik an Natur-Kultur-Dichotomie. <ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli|Titel=Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Sammelband=Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Ort=Berlin|Verlag=Peter Lang|Jahr=2022|Reihe=Studies in Literature, Culture, and the Environment 10|Seite=11-31, hier S. 18}}</ref>
  
==Othering==
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Aspekte von Menschen-Pflanzen-Verhältnissen
Die Naturalisierung von Weiblichkeit und die Feminisierung von Natur sowie die Abwertung von Frau und Natur sind schließlich auf die kulturell konstruierte Einteilung von Gender und ''environment'' im Sinne von Natur in binäre Systeme zurückzuführen<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=15 und 25}}</ref> – sowohl Gender als auch ''environment'' werden in Gegenüberstellung zu ihrem jeweils ‚Anderen‘ künstlich konstruiert:<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shiva, Vandana|Titel=Ökofeminismus|Herausgeber*in=Astruc, Lionel/Shiva,Vandana|Sammelband=Eine andere Welt ist möglich. Aufforderung zum zivilen Ungehorsam. Aus dem Französischen von Gabriele Gockel, Sonja Schuhmacher und Thomas Wollermann|Ort=München|Verlag=oekom Verlag|Jahr=2019|Seite=125-148, hier S. 135}}</ref> das Männliche in Gegenüberstellung zum Weiblichen, Natur in Gegenüberstellung zu Kultur.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=MacGregor, Sherilyn|Titel=Gender and Environment: An Introduction|Herausgeber*in=MacGregor, Sherilyn|Sammelband=Routledge Handbook of Gender and Environment|Jahr=2017|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Seite=1-24, hier S. 4}}</ref> Alles, was sich dazwischen befindet, fällt aus der Norm und wird so zur Zielscheibe von Diskriminierung gemacht. So verstehen Mies/Shiva „die strukturelle Aufspaltung von Mensch und Natur […] [als] analog zu der von Mann und Frau“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mies, Maria/Shiva, Vandana|Titel=Einleitung: Warum wir dieses Buch zusammen geschrieben haben|Herausgeber*in=Mies, Maria/Shiva, Vandana|Sammelband=Ökofeminismus. Beiträge zur Praxis und Theorie. Aus dem Englischen übersetzt von Andrea Hunziker und Margrit Klingler-Clavijo|Ort=Zürich|Verlag=Rotpunkt-Verlag|Jahr=1995|Seite=7-35, hier S. 12}}</ref>, wobei Frauen im Unterschied zu Männern und als diesen somit unterlegen markiert werden<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=MacGregor, Sherilyn|Titel=Gender and Environment: An Introduction|Herausgeber*in=MacGregor, Sherilyn|Sammelband=Routledge Handbook of Gender and Environment|Jahr=2017|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Seite=1-24, hier S. 3}}</ref>. Dieselbe Aufspaltung wird vorgenommen, wenn Natur im Gegensatz zu Kultur eine Abwertung erfährt.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=13}}</ref> In diesem dualistischen Prozess des „Othering“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=2}}</ref> werden alle Entitäten, die sich außerhalb der als Norm wahrgenommenen Gruppe (in der Regel „zivilisierte“, heterosexuelle Cis-Männer<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=35}}</ref>) befinden, als das ‚Andere‘ inszeniert. Dadurch werden Ungleichheiten, Privilegierungen und Repressionen erzeugt. Die Konsequenz dieses Dualismus der männlichen Vorrangstellung gegenüber Frauen, der Natur und allen ‚Anderen‘ erscheint somit als „natürlich“ und infolgedessen „gerechtfertigt“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=13 und 15}}</ref>. Shiva bezeichnet dies als die „Kultur der Naturbeherrschung“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shiva, Vandana|Titel=Ökofeminismus|Herausgeber*in=Astruc, Lionel/Shiva,Vandana|Sammelband=Eine andere Welt ist möglich. Aufforderung zum zivilen Ungehorsam. Aus dem Französischen von Gabriele Gockel, Sonja Schuhmacher und Thomas Wollermann|Ort=München|Verlag=oekom Verlag|Jahr=2019|Seite=125-148, hier S. 134}}</ref>, wobei diese ein geschlechtsspezifisches Phänomen darstellt, als Gender mit dem menschlichen Umgang mit, der Kontrolle von und der Beziehung zur Natur zusammenhängt<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=13}}</ref>.
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Solche Zugänge finden in Hinblick auf unterschiedliche literatur- und kulturwissenschaftliche Themenfelder in historisch wie neuzeitlich ausgerichteten Disziplinen Anwendung, wobei die folgende Auflistung eine offene und nicht hierarchisch zu denken ist:
  
==Ökofeministische Ansätze==
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• Kultur und Medien: Literatur,<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Preis, Ann-Katrin|Titel=Vegetal Agency and Ecofeminist Resistance. Daphne du Maurier’s „The Apple Tree“|Herausgeber*in= Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine|Sammelband=Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe|Ort=Bielefeld|Verlag=transcript|Jahr=2025|Reihe=Climates –  Cultures – Contexts 2|Seite=109-130}}{{Quellen-Literatur|Autor*in=Probst, Simon|Titel=Posthumanistische Ästhetik der Metamorphose: Baum-Menschen und Stein-Werdungen in der narrativen Multimedia-Arbeit von Nonhuman Nonsense|Herausgeber*in= Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte/Zemanek, Evi|Sammelband=Netzwerke des Lebendigen: Multispecies agencies und Formexperimente in hybriden Genres|Ort=Göttingen|Verlag=V & R unipress|Jahr=2023|Reihe=Transpositiones 2/2|Seite=107-122}}{{Quellen-Literatur|Autor*in=Dürbeck, Gabriele|Titel=Das Blatt als medialer Filter: fragile Mensch-Pflanze-Beziehungen in Anna Ospelts Wurzelstudien|Herausgeber*in= Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte/Zemanek, Evi|Sammelband=Netzwerke des Lebendigen: Multispecies agencies und Formexperimente in hybriden Genres|Ort=Göttingen|Verlag=V & R unipress|Jahr=2023|Reihe=Transpositiones 2/2|Seite=139-156}}</ref> (bildende) Kunst,<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Jungen, Thari/Nastold, Friederike|Titel=Umgraben, Kompostieren, Netz-Werken. Mehr-als-menschliche Gefährt*innen gärtnern|Herausgeber*in= Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine|Sammelband=Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe|Ort=Bielefeld|Verlag=transcript|Jahr=2025|Reihe=Climates –  Cultures – Contexts 2|Seite=85-108}}</ref> Theater,<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Persing, Catherin|Titel=Pflanzen performen. Bühnen des Mehr-als-Menschlichen im Anthropozän|Herausgeber*in= Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine|Sammelband=Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe|Ort=Bielefeld|Verlag=transcript|Jahr=2025|Reihe=Climates –  Cultures – Contexts 2|Seite=29-51}}</ref> Filme,<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Engelhard, Sarah|Titel=„This was an act of nature, and we’ll never fully understand it.“ Wenn Pflanzen die menschliche Bevölkerung zum Suizid bringen|Herausgeber*in= Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine|Sammelband=Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe|Ort=Bielefeld|Verlag=transcript|Jahr=2025|Reihe=Climates –  Cultures – Contexts 2|Seite=203-229}}</ref> Games,<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hinterleitner, Lisa|Titel=Wie man eine Nirnwurz zum Schweigen bringt. Interdependenzen zwischen spielerischer und vegetabiler agency in Open-World-Spielen und Strategiespielen|Herausgeber*in= Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine|Sammelband=Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe|Ort=Bielefeld|Verlag=transcript|Jahr=2025|Reihe=Climates –  Cultures – Contexts 2|Seite=53-84}}</ref> Kulinarik
Genau diesen hierarchischen Dualismus über Frauen und Natur<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mies, Maria/Shiva, Vandana|Titel=Einleitung: Warum wir dieses Buch zusammen geschrieben haben|Herausgeber*in=Mies, Maria/Shiva, Vandana|Sammelband=Ökofeminismus. Beiträge zur Praxis und Theorie. Aus dem Englischen übersetzt von Andrea Hunziker und Margrit Klingler-Clavijo|Ort=Zürich|Verlag=Rotpunkt-Verlag|Jahr=1995|Seite=7-35, hier S. 23}}</ref> kritisieren ökofeministische Ansätze, die aus [[Ecocriticism]]-Ansätzen entstanden sind<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=June, Pamela B.|Titel=Solidarity with the Other Beings on the Planet. Alice Walker, Ecofeminism, and Animals in Literature|Ort=Evanston/Illinois|Verlag=Northwestern University Press|Jahr=2020|Seite=15}}</ref>. Nach Grewe-Volpp eignet ökofeministischen Ansätzen eine „politische Haltung, die Feminismus, Umweltschutz, Antirassismus, Tierschutz, Antikolonialismus, Antimilitarismus und nicht zuletzt traditionellen Spiritualismus zusammenführt“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Grewe-Volpp, Christa|Titel=Ökofeminismus und Material Turn|Herausgeber*in=Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte|Sammelband=Ecocriticism. Eine Einführung|Ort=Köln/Weimar/Wien|Verlag=Böhlau Verlag|Jahr=2015|Seite=44-56, hier S. 44}}</ref>. Auch wenn es unterschiedliche Formen von Ökofeminismus gibt,
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• Religionen, indigene Praktiken<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kimmerer, Robin Wall|Titel=Braiding Sweetgrass. Indigenous Wisdom, Scientific Knowledge, and the Teaching of Plants|Ort=Minneapolis|Verlag=Milkweed Editions|Jahr=2013}}</ref> wie das [[Buen Vivir – Das „Gute Leben“ in Ecuador|Buen Vivir in Ecuador]] und Medizin(-philosophie)<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Romfeld, Elsa|Titel=Der Ruf der Pflanze. Eine Erinnerung an unsere natürliche Verbundenheit|Herausgeber*in= Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine|Sammelband=Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe|Ort=Bielefeld|Verlag=transcript|Jahr=2025|Reihe=Climates –  Cultures – Contexts 2|Seite=177-202}}</ref>
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• Landwirtschaft und Ernährung
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• Institutionen: Forschungseinrichtungen und Wissenschaft, Politik, Architektur und Immobilien, Stadt- und Landschaftsplanung, (Klima-)Aktivismus, NGOs<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Sternath, Sophia|Titel=Eco Enzyme. Tackling the Climate Catastrophe with Plant-Based Reusable Products|Herausgeber*in= Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine|Sammelband=Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe|Ort=Bielefeld|Verlag=transcript|Jahr=2025|Reihe=Climates –  Cultures – Contexts 2|Seite=151-176}}</ref>
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• …
  
<blockquote>„gehen [doch alle] davon aus, dass es eine strukturelle Verbindung zwischen der Unterdrückung von Frauen und der Ausbeutung der natürlichen Umwelt in der westlichen Welt gibt, die auch in anderen Machtverhältnissen virulent ist. [] Ziel ist folglich die Aufdeckung und Abschaffung aller Formen der Unterdrückung.“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Grewe-Volpp, Christa|Titel=Ökofeminismus und Material Turn|Herausgeber*in=Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte|Sammelband=Ecocriticism. Eine Einführung|Ort=Köln/Weimar/Wien|Verlag=Böhlau Verlag|Jahr=2015|Seite=44-56, hier S. 44}}</ref></blockquote>
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Bei all diesen Bestrebungen ist einzuwenden, dass die Perspektiven der Plant Studies unweigerlich anthropozentrisch sind, also „auf den menschlichen Vorstellungen von Sprache und Kommunikation basier[en].“ <ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli|Titel=Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Sammelband=Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Ort=Berlin|Verlag=Peter Lang|Jahr=2022|Reihe=Studies in Literature, Culture, and the Environment 10|Seite=11-31, hier S. 17}}</ref> Nichtsdestoweniger fördern die Plant Studies das Bewusstsein für die Relevanz von Pflanzen<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli|Titel=Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Sammelband=Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Ort=Berlin|Verlag=Peter Lang|Jahr=2022|Reihe=Studies in Literature, Culture, and the Environment 10|Seite=11-31, hier S. 18}}</ref> in unterschiedlichen Kontexten. Im Folgenden stehen verschiedene Einzelaspekte von Menschen-Pflanzen-Relationen im Fokus.
  
Diese Definition von Ökofeminismus weitet MacGregor auf patriarchale, kapitalistisch-koloniale Systeme generell aus, wenn sie für Fragen nach der Beeinflussung von Gender durch die menschliche Wahrnehmung von Natur und nach der Behandlung von Natur durch die Gender-Brille die Relation sozialer Unterdrückung und der Ausbeutung der Natur zu sozialen Konstrukten in patriarchalen Systemen als Schnittstelle nennt.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=MacGregor, Sherilyn|Titel=Gender and Environment: An Introduction|Herausgeber*in=MacGregor, Sherilyn|Sammelband=Routledge Handbook of Gender and Environment|Jahr=2017|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Seite=1-24, hier S. 2}}</ref> Hunnicutt geht noch einen Schritt weiter, indem sie Unterdrückung im Sinne von Ungerechtigkeiten (''injustices'') in den Fokus rückt, die marginalisierte Gruppen erfahren und Parallelen zur Ausbeutung und Zerstörung der Natur und mehr-als-menschlichen Welt aufweisen: „Ecofeminism […] works to expose those gendered assumptions, performances, and practices that undergird human relationships with the more-than-human-life world“.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=1}}</ref> Dabei geht sie davon aus, dass ideologische und strukturelle Verhältnisse zwischen Mensch und Natur Aufschluss über „gender violence“, also über Gewalt gegen unterschiedliche Formen sozialen Geschlechts geben können.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=1}}</ref> In Ecuador wurde beispielsweise bereits 2008 über das Konzept des ''[[Buen Vivir – Das „Gute Leben“ in Ecuador|Buen Vivir]]'' [[Die Natur als Rechtssubjekt am Beispiel Buen Vivir|die Natur als Rechtssubjekt]] in der Verfassung verankert. [[Intersektionalität im Ökofeminismus]] wiederum setzt sich mit Mehrfachdiskriminierungen im Kontext der Klimakrise auseinander. Die Vernetzung (''interconnectedness'') unterschiedlicher Systeme der Unterdrückung und Beherrschung stellen auch Gaard/Estok/Oppermann fest: „Ecocriticism acts as a lens through which to view literature and its relationship to the natural environment. Ecofeminism extends from this framework and refers to the theoretical school of thought that understands forces of oppression as being interconnected“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta/Estok/Simon C./Oppermann, Serpil|Titel=Introduction|Zeitschrift=Routledge Interdisciplinary Perspectives on Literature 12|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2013|Seite=1-16, hier S. 16}}</ref>. Dabei fechten sie diskriminierende Ideologien wie Sexismus, Rassismus, Speziesismus, Ökophobie, Klassismus, Nationalismus und Homophobie an, die auch Haraway als „racially-tinged, sexually-infused, class-saturated, and colonial tones and structures“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Haraway, Donna|Titel=The Companion Species Manifesto. Dogs, People, and Significant Otherness|Ort=Chicago|Verlag=The University of Chicago Press|Jahr=2003|Seite=86}}</ref> moniert; denn solche Ideologien sind auf die Natur ausgerichtet und so der Kontinuität des Gender-Dualismus sowie der Restriktion von Körpern dienlich. Ökofeministische Arbeit ist somit bilateral ausgerichtet: Es gilt, sowohl gegen patriarchale Annahmen und Strukturen anzukämpfen als auch heteronormatives Denken zu denaturalisieren<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta/Estok/Simon C./Oppermann, Serpil|Titel=Introduction|Zeitschrift=Routledge Interdisciplinary Perspectives on Literature 12|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2013|Seite=1-16, hier S. 2}}</ref>, wodurch der Dualismus von Natur und Kultur aufgelöst werden soll.
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1. Pflanzen als handlungsrelevante Entitäten
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Stobbe, Kramer und Wanning fragen in kulturellen und literarischen Kontexten danach, „[w]ie viel Raum [...] der Text Pflanzen hinsichtlich ihrer Redeanteile, als Handlungsort, als handlungsrelevante Entität [gibt]“. <ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli|Titel=Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Sammelband=Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Ort=Berlin|Verlag=Peter Lang|Jahr=2022|Reihe=Studies in Literature, Culture, and the Environment 10|Seite=11-31, hier S. 16}}</ref> Dem liegt ein weiter Textbegriff zugrunde, d. h. unter ‚Text‘ fallen nicht nur in Schriftzeichen verfasste, kohärente und kohäsive Sinneinheiten, sondern auch andere Medien wie Bild, Film, Game und Musik.
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Handlungsrelevanz bedeutet nicht, dass Pflanzen „reine[...] Plottreiber“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Weik von Mossner, Alexa|Titel=Grüne Filmstudien|Herausgeber*in=Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte|Sammelband=Ecocriticism: Eine Einführung|Ort=Köln|Verlag=Böhlau Verlag|Jahr=2015|Seite=271-281, hier S. 274}}</ref> seien, sondern sie konstituiert sich über unterschiedliche Aspekte von Pflanzen als Figuren mit eigener Zeit, Stimme, Raum<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte|Titel=Plant Studies|Sammelband=Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘|Herausgeber*in=Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian|Ort=Berlin/Boston|Verlag=de Gruyter|Jahr=2025|Seite=417-434, hier S. 427}}</ref> und Ort . Diese verlangen eine Neuausrichtung im [[Climate Thinking|Climate ThinkingSprechen über den, im Erzählen vom und im Nachdenken über]] den Klimawandel. So gilt es, pflanzliche Figuren
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• in unterschiedlichen literarischen Gattungen vom Blickwinkel einer „dominant gesetzten Menschenbezogenheit“ <ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte|Titel=Plant Studies|Sammelband=Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘|Herausgeber*in=Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian|Ort=Berlin/Boston|Verlag=de Gruyter|Jahr=2025|Seite=417-434, hier S. 427}}</ref> oder von metaphorischen, anthropozentrischen Perspektiven zu lösen;
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• nicht menschlich gedachter Zeit unterzuordnen, sondern ihre „Eigenzeiten“ <ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte|Titel=Plant Studies|Sammelband=Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘|Herausgeber*in=Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian|Ort=Berlin/Boston|Verlag=de Gruyter|Jahr=2025|Seite=417-434, hier S. 427}}</ref> zu erfassen;
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• in ihren ganz eigenen Stimmen wahrzunehmen, die für die Menschen nicht akustisch hörbar sind;
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in ihrer Verankerung im Raum (space, geometrisch oder topografisch abstrahiert<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Buell, Lawrence|Titel= The Future of Environmental Criticism. Environmental Crisis and Literary Imagination|Ort=MA/Oxford, UK|Verlag=Blackwell Publishing|Jahr=2005|Seite=63}}</ref>) zu bedenken, anstatt sie davon zu separieren;<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte|Titel=Plant Studies|Sammelband=Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘|Herausgeber*in=Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian|Ort=Berlin/Boston|Verlag=de Gruyter|Jahr=2025|Seite=417-434, hier S. 427}}</ref>
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und ihre Gebundenheit an einen Ort oder eine Örtlichkeit (place, konkret lokalisierbarer Raum, dem Bedeutung beigemessen wird<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Buell, Lawrence|Titel= The Future of Environmental Criticism. Environmental Crisis and Literary Imagination|Ort=MA/Oxford, UK|Verlag=Blackwell Publishing|Jahr=2005|Seite=63}}</ref>) mitzudenken.
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Dabei können sich „die Grenzen zwischen animalischen und vegetabilen, zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Wesen“ <ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli|Titel=Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Sammelband=Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Ort=Berlin|Verlag=Peter Lang|Jahr=2022|Reihe=Studies in Literature, Culture, and the Environment 10|Seite=11-31, hier S. 16}}</ref> verschieben.
  
==Operationalisierung der Differenzkategorien für mittelhochdeutsche Texte==
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2. Pflanzen als Handlungsträgerinnen
Es ist festzuhalten, „dass die im Ökofeminismus analysierte Verbindung des Weiblichen mit der Natur von jeweils sehr spezifischen Bedingungen abhängt, die im Einzelnen genau zu untersuchen sind“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Grewe-Volpp, Christa|Titel=Ökofeminismus und Material Turn|Herausgeber*in=Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte|Sammelband=Ecocriticism. Eine Einführung|Ort=Köln/Weimar/Wien|Verlag=Böhlau Verlag|Jahr=2015|Seite=44-56, hier S. 47}}</ref>. Um vormoderne Texte ökofeministisch analysieren zu können, gilt es also, die Analysekategorien zu operationalisieren, denn neuzeitliche Konzepte sozialer Konstruktionen wie sex, Gender, Körper und Spezies können nicht einfach über Texte gelegt werden, die einem anderen Zeit-, Kultur-, Politik- und Religionsraum entstammen.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=26}}</ref> Viele Texte des deutschsprachigen Mittelalters stehen in „Kriegertraditionen“, um das Vokabular von Mies/Shiva zu verwenden, also in archaisch-patriarchalen Traditionen, die „monotheistische[n] Religionen wie Christentum, Judentum oder Islam“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mies, Maria/Shiva, Vandana|Titel=Einleitung: Warum wir dieses Buch zusammen geschrieben haben|Herausgeber*in=Mies, Maria/Shiva, Vandana|Sammelband=Ökofeminismus. Beiträge zur Praxis und Theorie. Aus dem Englischen übersetzt von Andrea Hunziker und Margrit Klingler-Clavijo|Ort=Zürich|Verlag=Rotpunkt-Verlag|Jahr=1995|Seite=7-35, hier S. 28}}</ref> entstammen und die misogyne und ökophobe Verhaltensweisen implizieren (können). Androzentrismus und Anthropozentrismus sieht auch Hunnicutt als die Grundursache für die Entfremdung des Menschen von der mehr-als-menschlichen Welt.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=46}}</ref> Aus dieser Entfremdung entsteht schließlich auch das Argument, dass männliche Gewalt und Dominanz angeboren und demzufolge natürlich seien.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=26}}</ref>
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Pflanzen können über ihren Figurenstatus hinaus auch Handlungsträgerinnen sein. In diesem Kontext stellt sich die Frage nach agency und ihrem Akteurinnenstatus. Der Begriff agency kann in Handlungs- und Wirkungsmacht unterteilt werden; erstere bedeutet, dass Pflanzen Dinge tun können, während zweitere impliziert, dass Pflanzen andere dazu bringen, etwas zu tun.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Latour, Bruno|Titel=Eine neue Soziologie für enie neue Gesellschaft. Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie|Ort=Frankfurt am Main|Verlag=Suhrkamp|Jahr=2022|Seite=88}}</ref> Dabei ist es wichtig, unter agency „nicht automatisch einen menschenähnlichen Subjektstatus [zu] verstehen.“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine|Titel=Menschen-Pflanzen-Netzwerke und vegetabile agency in der Klimakatastrophe. Einleitung|Herausgeber*in= Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine|Sammelband=Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe|Ort=Bielefeld|Verlag=transcript|Jahr=2025|Reihe=Climates –  Cultures – Contexts 2|Seite=9-25, hier S. 10}}</ref>
  
Für Analysen mittelhochdeutscher Texte werden nun neben den bereits aus intersektionalen Ansätzen<ref>Als Einführungen in intersektionale Ansätze für vormoderne Texte seien erwähnt: Kraß, Andreas (2014): ''Einführung: Historische Intersektionalitätsforschung als kulturwissenschaftliches Projekt''. In: Bedeković, Nataša/Kraß, Andreas/Lembke, Astrid (Hrsg.): Durchkreuzte Helden. Das „Nibelungenlied“ und Fritz Langs Film „Die Nibelungen“ im Licht der Intersektionalitätsforschung, Bielefeld: transcript Verlag, S. 7-47; Schul, Susanne (2014): ''HeldenGeschlechtNarrationen. Gender, Intersektionalität und Transformation im Nibelungenlied und in Nibelungenlied-Adaptionen'' (MeLiS 14). Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag, S. 37-121; Schul, Susanne/Böth, Mareike (2017): ''Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘: Vormoderne intersektional''. In: Schul, Susanne/Böth, Mareike/Mecklenburg, Michael (Hrsg.): Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘: Vormoderne intersektional (Aventiuren 12). Göttingen: V&R unipress, S. 9-39; Sieber, Andrea (2015): ''Gender Studies''. In: Ackermann, Christiane/Egerding, Michael (Hrsg.): Literatur- und Kulturtheorien in der Germanistischen Mediävistik. Ein Handbuch. Berlin/Boston: Walter de Gruyter, S. 103-140.</ref> bekannten Differenzkategorien sex und Gender, Körper, besonders Spezies und infolgedessen die Überschneidungen und Interdependenzen der Kategorien berücksichtigt. Bei allen handelt es sich, wie bereits oben erwähnt, um sozial konstruierte Systeme zur Machtausübung<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Hunnicutt, Gwen|Titel=Gender Violence in Ecofeminist Perspective. Intersections of Animal Oppression, Patriarchy and Domination of the Earth|Ort=London/New York|Verlag=Routledge|Jahr=2020|Seite=2}}</ref>, die je nach historischem und kulturellem Kontext differieren<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kraß, Andreas|Titel=Einführung: Historische Intersektionalitätsforschung als kulturwissenschaftliches Projekt|Herausgeber*in=Bedeković, Nataša/Kraß, Andreas/Lembke, Astrid|Sammelband=Durchkreuzte Helden. Das „Nibelungenlied“ und Fritz Langs Film „Die Nibelungen“ im Licht der Intersektionalitätsforschung|Ort=Bielefeld|Verlag=transcript Verlag|Jahr=2014|Seite=7-47}}</ref> und in denen es um die Festlegung von Differenzen geht<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Haraway, Donna|Titel=The Companion Species Manifesto. Dogs, People, and Significant Otherness|Ort=Chicago|Verlag=The University of Chicago Press|Jahr=2003|Seite=14}}</ref>, weshalb sie für die Analyse spätmittelalterlicher Texte operationalisiert werden müssen. Es gilt fortan, die systemischen Machtprozesse, die die Unterdrückung und Misshandlung von Frauen und Natur bereits im Mittelalter begünstigen, über Analysen der komplexen Überschneidungen der verschiedenen Kategorien in mittelhochdeutschen Texten kritisch zu hinterfragen, die wiederum zu höherer Relevanz einzelner Kategorien führen können.
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3. Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und anderen Entitäten
Im Folgenden werden für ökofeministische Lektüren grundlegende Differenzkategorien auf ihre Möglichkeiten für das deutschsprachige Mittelalter hin untersucht und operationalisiert, wobei es sich hier um eine zu erweiternde Liste handelt.
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Gerade in Hinblick auf Handlungsrelevanz und agency werden Wechselwirkungen zwischen pflanzlichen und weiteren Entitäten sichtbar. Um diese Wechselwirkungen zu untersuchen, eignet sich Latours ANT, die von einem dynamischen Netzwerk-Gedanken geprägt ist: „[D]ie Entitäten treten durch die Handlung in ein Netzwerk ein, an dem sie konstitutiv teilhaben.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine|Titel=Menschen-Pflanzen-Netzwerke und vegetabile agency in der Klimakatastrophe. Einleitung|Herausgeber*in= Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine|Sammelband=Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe|Ort=Bielefeld|Verlag=transcript|Jahr=2025|Reihe=Climates –  Cultures – Contexts 2|Seite=9-25, hier S. 13}}</ref> Dadurch sind Netzwerke stets nach außen geöffnet, „mit anderen Netzwerken verbunden und somit interkonnektiv“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine|Titel=Menschen-Pflanzen-Netzwerke und vegetabile agency in der Klimakatastrophe. Einleitung|Herausgeber*in= Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine|Sammelband=Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe|Ort=Bielefeld|Verlag=transcript|Jahr=2025|Reihe=Climates –  Cultures – Contexts 2|Seite=9-25, hier S. 18}}</ref>.
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Netzwerke stellen jedoch nicht nur Metaphern oder Vergleiche dar, sondern können als ganz konkretes Analysewerkzeug verwendet werden.
  
===Kategorie Spezies===
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4. Differenzen von Pflanzen und anderen Entitäten
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In Hinblick auf Menschen-Pflanzen-Verhältnisse ist nicht zuletzt interessant, wie und wodurch pflanzliche Entitäten sich von nicht-pflanzlichen Figuren absetzen. Mithilfe der Frage, wie „stabil bzw. porös […] die Grenzen zwischen den Wesen [sind]“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli|Titel=Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Sammelband=Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung|Ort=Berlin|Verlag=Peter Lang|Jahr=2022|Reihe=Studies in Literature, Culture, and the Environment 10|Seite=11-31, hier S. 16}}</ref>, lassen sich hybride und anthropomorphe Figuren untersuchen.
  
Die Kategorie Spezies darf wie alle Differenzkategorien nicht essentialistisch<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mies, Maria/Shiva, Vandana|Titel=Einleitung: Warum wir dieses Buch zusammen geschrieben haben|Herausgeber*in=Mies, Maria/Shiva, Vandana|Sammelband=Ökofeminismus. Beiträge zur Praxis und Theorie. Aus dem Englischen übersetzt von Andrea Hunziker und Margrit Klingler-Clavijo|Ort=Zürich|Verlag=Rotpunkt-Verlag|Jahr=1995|Seite=7-35, hier S. 31}}</ref>, biologistisch oder naturalistisch gedacht werden. Hunnicutt definiert Speziesismus als „ideology that regards one species (humans) as superior and other species (nonhuman) as inferior. This belief system legitimates prejudice and discrimination“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mies, Maria/Shiva, Vandana|Titel=Einleitung: Warum wir dieses Buch zusammen geschrieben haben|Herausgeber*in=Mies, Maria/Shiva, Vandana|Sammelband=Ökofeminismus. Beiträge zur Praxis und Theorie. Aus dem Englischen übersetzt von Andrea Hunziker und Margrit Klingler-Clavijo|Ort=Zürich|Verlag=Rotpunkt-Verlag|Jahr=1995|Seite=7-35, hier S. 31}}</ref>. Diese Hierarchisierung favorisiert die Interessen der eigenen (menschlichen) Spezies und unterbindet die Interessen der ‚anderen‘ (nicht-menschlichen) Spezies, was wiederum zu einem Mangel an Rücksicht auf die Gleichberechtigung nicht-menschlicher oder mehr-als-menschlicher Entitäten führt.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=June, Pamela B.|Titel=Solidarity with the Other Beings on the Planet. Alice Walker, Ecofeminism, and Animals in Literature|Ort=Evanston/Illinois|Verlag=Northwestern University Press|Jahr=2020|Seite=20}}</ref> Die Unterdrückung ‚anderer‘ Spezies hat also den Anthropozentrismus als Ausgangspunkt. Es gilt, auch ‚andere‘ Spezies als die eigene „zu einem Teil eines komplexen Netzes von Beziehungen [zu] erklär[en]“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Grewe-Volpp, Christa|Titel=Ökofeminismus und Material Turn|Herausgeber*in=Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte|Sammelband=Ecocriticism. Eine Einführung|Ort=Köln/Weimar/Wien|Verlag=Böhlau Verlag|Jahr=2015|Seite=44-56, hier S. 47}}</ref>, Inklusion der Exklusion<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Grewe-Volpp, Christa|Titel=Ökofeminismus und Material Turn|Herausgeber*in=Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte|Sammelband=Ecocriticism. Eine Einführung|Ort=Köln/Weimar/Wien|Verlag=Böhlau Verlag|Jahr=2015|Seite=44-56, hier S. 48}}</ref> und Othering vorzuziehen: „[T]heir specifity – of kind and of individual – matter“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Haraway, Donna|Titel=The Companion Species Manifesto. Dogs, People, and Significant Otherness|Ort=Chicago|Verlag=The University of Chicago Press|Jahr=2003|Seite=51}}</ref>. Wirft man einen Blick in mittelalterliche Fachliteratur, so wird schnell deutlich, dass sie nach Spezies unterteilte. Mittelalterliche Taxonomien der Natur haben ihre Ursprünge – über den Weg lateinischer Bearbeitungen – bei Aristoteles, der sich in seiner Schrift Περὶ ψυχῆς (''Über die Seele'') fragt, "ob | sie sich der Art oder der Gattung nach unterscheidet"<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Aristoteles|Titel=Über die Seele. De anima. Griechisch-Deutsch. Übersetzt, mit einer Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von Klaus Corcilius|Ort=Hamburg|Verlag=Felix Meiner Verlag|Jahr=2017|Seite=4-5}}(Original: πότερον | εἴδει διαφέρουσα ἢ γένει).</ref>, und schließlich die Top-down-Rangfolge Mensch – Tier – Pflanze aufstellt. Etwa der Millstätter ''Physiologus'' gliedert unterschiedliche Spezies in Hinblick auf die Heilsgeschichte nach folgendem Muster: fantastische bzw. fremde Tiere, Reptilien, Säugetiere und Vögel<ref>{{Quellen-Literatur|Titel=Der Millstätter Physiologus. Text, Übersetzung, Kommentar. Herausgegeben von Christian Schröder|Ort=Würzburg|Verlag=Königshausen und Neumann|Jahr=2005|Seite=16-17}}</ref> – tierliche und Wunderwesen werden differenziert; Konrads von Megenberg ''Buch der Natur'' wiederum nimmt nach (spät-)antiken lateinischsprachigen Vorbildern wie Aristoteles-Übersetzungen und Texten von Isidor von Sevilla oder Thomas von Cantimpré neben (‚Wunder‘-)Tieren, Pflanzen, Planeten auch den Menschen auf<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Konrad von Megenberg|Titel=Das ‚Buch der Natur‘. Band II. Kritischer Text nach den Handschriften. Herausgegeben von Robert Luff und Georg Steer|Ort=Tübingen|Verlag=Max Niemeyer Verlag|Jahr=2003|Seite=2-22}}</ref> – letzteren jedoch im ersten Kapitel, ist er doch nach Gottes Abbild geschaffen. Die ‚Wunderwesen‘ werden bei Konrad zu den Tieren gestellt, jedoch mit separaten Unterkapiteln. Die Dichotomie menschlich / mehr-als-menschlich existiert also bereits im Mittelalter. Darüber hinaus wirkt die Klassifizierung in Spezies durch Aristoteles bis in die Neuzeit hinein, wie an den ''Systema Naturae'' des Carl von Linné (1707-1778), des Vaters der heute noch bekannten binären Nomenklatur von Spezies, ersichtlich wird. Linné unterscheidet hierarchisch zwischen Steinen, Pflanzen und Tieren (in der Hierarchie ganz oben), wobei er jedem einzelnen dieser Bereiche noch vier Ränge zuweist: Klasse, Ordnung, Gattung und Spezies bzw. Art<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Nicolson, Dan H.|Titel=Stone, Plant, or Animal|Zeitschrift=TAXON 51|Ort=Hoboken, New Jersey|Verlag=Wiley|Jahr=2002|Seite=7-10, hier S. 7|Online=https://doi.org/10.2307/1554958|Abruf=04.06.2024}}</ref>. Der wissenschaftliche Name einer Pflanze setzt sich auch heute noch zumindest aus der Gattung und der Spezies zusammen<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Birkhan, Helmut|Titel=Pflanzen im Mittelalter. Eine Kulturgeschichte|Ort=Wien/Köln/Weimar|Verlag=Böhlau Verlag|Jahr=2012|Seite=38}}</ref>, als Beispiel sei die Kartoffel mit ihrer wissenschaftlichen Bezeichnung ''Solanum tuberosum'' genannt.
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Ausblick
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Die Auseinandersetzung mit Menschen-Pflanzen-Verhältnissen eröffnet nicht nur neue Perspektiven auf die Rolle von Pflanzen in unserem Leben, sondern fordert auch ein grundlegendes Umdenken in der Art und Weise, wie wir diese Beziehungen wahrnehmen und gestalten. Die Konzepte der Pflanzenblindheit und der Interrelationen zwischen Menschen und Pflanzen verdeutlichen, dass ein tiefes Verständnis für die Bedeutung pflanzlichen Lebens in der Biosphäre und in menschlichen Angelegenheiten unerlässlich ist.
  
===Kategorie Geschlecht===
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Weiterführendes
 
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<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Chamovitz, Daniel|Titel=Was Pflanzen wissen. Wie sie hören, schmecken und sich erinnern|Ort=München|Verlag=Goldmann|Jahr=2019}}</ref>
Die Abgrenzung der sozialen und kulturellen Einschreibungen von Geschlecht (Gender) von der körperlichen Geschlechtsdimension (''sex'') wird seit Judith Butler kritisiert, denn die beiden Geschlechterdimensionen hängen untrennbar miteinander zusammen.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Butler, Judith|Titel=Gender Trouble|Ort=New York/London|Verlag=Routledge|Jahr=2007|Seite=8-10}}</ref> Bis zum 17. Jahrhundert, so Laqueur, wurde über das sogenannte ''One''-''sex''-Modell nach Galen jedoch immer wieder die männliche Dominanz bekräftigt, indem das primäre weibliche Geschlechtsorgan, also die Vagina, als anatomisch „minderwertige“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Sieber, Andrea|Titel=Gender Studies|Herausgeber*in=Ackermann, Christiane/Egerding, Michael|Sammelband=Literatur- und Kulturtheorien in der Germanistischen Mediävistik. Ein Handbuch|Ort=Berlin/Boston|Verlag=Walter de Gruyter|Jahr=2015|Seite=103-140, hier S. 130}}</ref> Variante des Penis des Mannes betrachtet wurde<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Laqueur, Thomas|Titel=Auf den Leib geschrieben. Die Inszenierung der Geschlechter von der Antike bis Freud. Aus dem Englischen von H. Jochen Bußmann|Ort=Frankfurt am Main/New York|Verlag=Campus-Verlag|Jahr=1992|Seite=39-49}}</ref>. Laqueurs Ansatz, „daß auch die Wahrnehmung und Interpretation der Sexualorgane kulturell geprägt sei“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Stephan, Inge|Titel=Gender, Geschlecht und Theorie|Herausgeber*in=von Braun, Christina/Stephan, Inge|Sammelband=Gender Studien. Eine Einführung|Ort=Stuttgart/Weimar|Verlag=J. B. Metzler|Jahr=2006|Seite=52-90, hier S. 80}}</ref>, ist durchaus zu befürworten; die Annahme eines ''One''-''sex''-Modells vom Mittelalter bis in die Moderne hinein gilt heute jedoch als überholt: „Laqueur is correct to point out the power of Galen’s one-sex body in sixteenth- and seventeenth-century European culture, but he wrongly assumes that it spent the intervening centuries percolating along“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Park, Katherine|Titel=Cadden, Laqueur, and the ‚One-Sex Body‘|Zeitschrift=Medieval Feminist Forum: A Journal of Gender and Sexuality 46 (1)|Ort=Michigan|Verlag=Western Michigan University|Jahr=2010|Seite=96-100, hier S. 99-100|Online=https://scholarworks.wmich.edu/mff/vol46/iss1/10/|Abruf=26.03.2024}}</ref>. In Hinblick auf die Gender-Komponente postulieren Schul/Böth besonders für fiktionale mittelhochdeutsche Texte „eine Pluralität der Geschlechtsidentitäten“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Schul, Susanne/Böth, Mareike|Titel=Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘: Vormoderne intersektional|Herausgeber*in=Schul, Susanne/Böth, Mareike/Mecklenburg, Michael|Sammelband=Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘: Vormoderne intersektional (Aventiuren 12)|Ort=Göttingen|Verlag=V&R unipress|Jahr=2017|Seite=S. 9-39, hier S. 27}}</ref>:
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<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (Hrsg.)|Titel=Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe|Ort=Bielefeld|Verlag=transcript|Jahr=2025|Reihe=Climates –  Cultures – Contexts 2}}</ref>
 
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<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kimmerer, Robin Wall|Titel=Braiding Sweetgrass. Indigenous Wisdom, Scientific Knowledge, and the Teaching of Plants|Ort=Minneapolis|Verlag=Milkweed Editions|Jahr=2013}}</ref>
===Kategorie Körper===
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<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Le Guin, Ursula K.|Titel=The Carrier Bag Theory of Fiction. Introduced by Donna Haraway |Ort=Glasgow|Verlag=BookSource|Jahr=2019}}</ref>
 
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<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in= Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte/Zemanek, Evi (Hrsg.)|Titel= Netzwerke des Lebendigen: Multispecies agencies und Formexperimente in hybriden Genres|Ort= Göttingen|Verlag= V & R unipress|Jahr= 2023}}</ref>
Dass es in mittelhochdeutscher Literatur nicht den einen Körper gibt, sondern durchaus hybride und miteinander verflochtene Formen, betonen Schul / Böth:
 
 
 
<blockquote>„Die heteronormative Geschlechterordnung wurde in vormodernen Gesellschaften nicht in gleicher Weise über eine gefestigte, biologisch-anatomische Verfasstheit des Körpers hergeleitet [wie in der Moderne], so dass in unterschiedlichen diskursiven Kontexten auch variable Formationen ausgebildet werden, die die physischen Grenzen eher fließend gestalten.“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Schul, Susanne/Böth, Mareike|Titel=Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘: Vormoderne intersektional|Herausgeber*in=Schul, Susanne/Böth, Mareike/Mecklenburg, Michael|Sammelband=Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘: Vormoderne intersektional (Aventiuren 12)|Ort=Göttingen|Verlag=V&R unipress|Jahr=2017|Seite=S. 9-39, hier S. 27}}</ref></blockquote>
 
 
 
Dieses Fehlen von Beschreibungen biologischer Elemente betont auch Sieber und verweist auf die „Konstruktion elitärer Körper“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Sieber, Andrea|Titel=Gender Studies|Herausgeber*in=Ackermann, Christiane/Egerding, Michael|Sammelband=Literatur- und Kulturtheorien in der Germanistischen Mediävistik. Ein Handbuch|Ort=Berlin/Boston|Verlag=Walter de Gruyter|Jahr=2015|Seite=103-140, hier S. 117}}</ref> in mittelhochdeutschen Texten. Geschlecht eignet im Mittelalter schließlich auch ein stratifizierend-räumliches Moment<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Sieber, Andrea|Titel=Gender Studies|Herausgeber*in=Ackermann, Christiane/Egerding, Michael|Sammelband=Literatur- und Kulturtheorien in der Germanistischen Mediävistik. Ein Handbuch|Ort=Berlin/Boston|Verlag=Walter de Gruyter|Jahr=2015|Seite=103-140, hier S. 118}}</ref>: „Während männliche Protagonisten den architektonisch und geographisch organisierten Raum unbegrenzt erfahren können, bleibt der Aktionsradius weiblicher Figuren meist auf die Kemenate als Schutzraum beschränkt“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Sieber, Andrea|Titel=Gender Studies|Herausgeber*in=Ackermann, Christiane/Egerding, Michael|Sammelband=Literatur- und Kulturtheorien in der Germanistischen Mediävistik. Ein Handbuch|Ort=Berlin/Boston|Verlag=Walter de Gruyter|Jahr=2015|Seite=103-140, hier S. 124}}</ref>.
 
 
 
Die Kategorien Spezies und Gender stellen aber nicht nur die Einschreibungen sozialer Konstrukte dar, sondern markieren auch, „dass unsere Körper materiell verstrickt sind mit einer Vielzahl von Elementen der natürlichen Umwelt“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Grewe-Volpp, Christa|Titel=Ökofeminismus und Material Turn|Herausgeber*in=Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte|Sammelband=Ecocriticism. Eine Einführung|Ort=Köln/Weimar/Wien|Verlag=Böhlau Verlag|Jahr=2015|Seite=44-56, hier S. 51}}</ref>. Sie sind erstens „selbst aktiv an der Produktion von Bedeutung beteiligt. Körper sind […] sowohl biologische Phänomene als auch das Resultat diskursiver Prozesse“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Grewe-Volpp, Christa|Titel=Ökofeminismus und Material Turn|Herausgeber*in=Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte|Sammelband=Ecocriticism. Eine Einführung|Ort=Köln/Weimar/Wien|Verlag=Böhlau Verlag|Jahr=2015|Seite=44-56, hier S. 49}}</ref>, Hierarchien, Ungerechtigkeiten und Differenzmerkmale spiegeln sich so zweitens immer auch auf dem Körper wider, in Hinblick auf Geschlechtseinschreibungen etwa durch „die Erzeugung eines geschlechtsspezifischen Habitus als inszenatorischer Effekt von Einkleidung oder kultureller Attribuierung“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Sieber, Andrea|Titel=Gender Studies|Herausgeber*in=Ackermann, Christiane/Egerding, Michael|Sammelband=Literatur- und Kulturtheorien in der Germanistischen Mediävistik. Ein Handbuch|Ort=Berlin/Boston|Verlag=Walter de Gruyter|Jahr=2015|Seite=103-140, hier S. 118}}</ref>. In der mittelhochdeutschen Literatur besonders aufschlussreich für Markierungen von Differenzen sind also Kleidung und kulturelle Attribuierungen<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Sieber, Andrea|Titel=Gender Studies|Herausgeber*in=Ackermann, Christiane/Egerding, Michael|Sammelband=Literatur- und Kulturtheorien in der Germanistischen Mediävistik. Ein Handbuch|Ort=Berlin/Boston|Verlag=Walter de Gruyter|Jahr=2015|Seite=103-140, hier S. 120-123}}</ref>, wobei aber nicht nur der Spezies Mensch Körper eignen, sondern eben auch ‚anderen‘ Spezies. Drittens führen Körper selbst diskriminierende, unterdrückende und misshandelnde Handlungen aus. Körper stellen somit sowohl eine intersektionale Kategorie als auch deren Projektionsfläche dar.
 
 
 
==Einzelbeiträge der Reihe „Ökofeminismus in der Vormoderne“==
 
*[[Platzhalter]]
 
 
 
==Ausblick==
 
Abschließend sei hervorgehoben, dass die Liste dieser operationalisierten ökofeministischen Differenzkategorien erweitert werden kann und muss – [[:Kategorie:Literaturwissenschaft|literaturwissenschaftlichen]] Analysen lediglich auf die Kategorien Spezies, Geschlecht und Körper zu konzentrieren, würde eine Reduktion dieser Analysen provozieren. Je nach Text müssen induktiv weitere Kategorien erarbeitet werden, um die gesamte Dimension von Repression und Benachteiligung erfassen zu können.
 

Version vom 10. März 2025, 15:58 Uhr

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Menschen-Pflanzen-Verhältnisse

Dieser Artikel dient als Einführung in einen Teilkomplex der kulturwissenschaftlichen Plant Studies: Menschen-Pflanzen-Verhältnisse, Menschen-Pflanzen-Beziehungen oder Menschen-Pflanzen-Relationen. Sie stellen nach Stobbe, Kramer und Wanning einen der fünf thematischen Aspekte der Plant Studies dar, [1] wobei die Grenzen zwischen den einzelnen Aspekten fließend sein können, und beschäftigen sich mit verschiedenen Leitfragen. Diese dienen in diesem Beitrag im Anschluss an die Frage, warum Pflanzen oft übersehen wurden und werden, sowie an eine terminologische Hinführung zum Thema als Gliederungspunkte der Aspekte von Menschen-Pflanzen-Verhältnissen.

plant blindness – Pflanzenblindheit

Der Begriff plant blindness, zu Deutsch ‚Pflanzenblindheit‘, stammt aus der Botanik und impliziert das menschliche Unvermögen, Pflanzen in der eigenen Umgebung wahrzunehmen. Daraus können Unaufmerksamkeit gegenüber und Unterrepräsentation von Pflanzen resultieren.[2] Wandersee und Schussler definieren plant blindness als

(a) the inability to recognize the importance of plants in the biosphere, and in human affairs; (b) the inability to appreciate the aesthetic and unique biological features of the life forms belonging to the Plant Kingdom; and (c) the misguided, anthropocentric ranking of plants as inferior to animals, leading to the erroneous conclusion that they are unworthy of human consideration [...].[3]

Wandersee und Schussler benennen neun Symptome von plant blindness: 1. das Übersehen von Pflanzen im Alltag 2. die Annahme, dass Pflanzen nur als Kulisse von Tieren dienen 3. Irrtümer über pflanzliche Lebensbedürfnisse und -bedingungen 4. das Nicht-Beachten der Bedeutung von Pflanzen im täglichen Leben 5. das Versäumnis, zwischen pflanzlichen und tierlichen Zeitkonzepten zu unterscheiden 6. der Mangel an Praxiserfahrungen im Hinblick auf den Anbau, die Beobachtung und die Bestimmung von Pflanzen in der eigenen geographischen Region 7. das Versagen hinsichtlich grundlegenden Wissens über Pflanzen in der eigenen geographischen Region: Pflanzenwachstum, Ernährung, Fortpflanzung und ökologische Aspekte 8. das mangelnde Bewusstsein, dass Pflanzen zentral für den CO2-Kreislauf sind 9. das mangelnde Bewusstsein für pflanzliche Ästhetik und ihre Strukturen: Anpassungen, Koevolution, Farben, Ausbreitung, Vielfalt, Wachstumsgewohnheiten, Düfte, Größen, Geräusche, Abstände, Stärke, Symmetrie, Taktilität, Geschmack und Textur[4]

In diesem Sinne ist ein Umdenken im Umgang mit Pflanzen nötig, das zur Sichtbarmachung und Wertschätzung pflanzlichen Lebens führt. Dazu liefern die Plant Studies durch die Beforschung von Menschen-Pflanzen-Beziehungen Impulse.

Interrelationen Der Begriff ,Interrelation‘ bedeutet, dass Pflanzen und Menschen „in Beziehung zueinander“ und in einem „wechselseitigen, netzwerkartigen Resonanzverhältnis“ [5] stehen. Diese Beziehung ist einerseits geprägt von der Abhängigkeit der menschlichen Existenz von Pflanzen, [6] andererseits lässt sich „gezielt kollaborativen Interaktionsformen“ [7] von menschlichen und vegetabilen Entitäten nachspüren. Aus der Biologie stammend, wird hier der Prozess der Koevolution aufgegriffen und für die literatur- literatur- und kulturwissenschaftliche Forschung fruchtbar gemacht. Koevolution meint im engeren Sinn reziproke, adaptive genetische Veränderungen zwischen interagierenden Spezies.[8] Wenn speziell die Interrelationen von Menschen mit mehr-als-menschlichen Spezies thematisiert sind, wird der Begriff allerdings auch unter dem weiteren Phänomen eines generellen Selektionsdrucks, also notwendig werdender Anpassungen an Umweltveränderungen[9] gefasst und bezieht sich nicht mehr konkret auf einen Wandel von Genmaterial.[10] Für die kulturwissenschaftlichen Plant Studies bedeutet dies in der Folge einen „‚Shift‘ der Objekt-Subjekt-Verkehrung: Statt dass der Mensch etwas mit Tieren und Pflanzen ‚macht‘, indem er sie seinen Bedürfnissen entsprechend ‚nutzt‘ und sie in jedem Fall zu Objekten seines Handelns macht, sind es nun die Tiere und Pflanzen, die etwas mit den Menschen ‚machen‘“.[11] Daran schließt nicht nur Latours Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) mit ihrer Anschauung von Welt(en) als sich ständig verändernde(s) Netzwerk(e)[12] an, sondern auch Haraways Ansätze von companion species[13] und kinship[14] – alles ist mit etwas verbunden. Ebenso Kimmerers Zugänge im Sinne von kinship, reciprocity und care,[15] also Verwandtschaft, Reziprozität – nehmen Menschen von Pflanzen, so geben sie ihnen unweigerlich auch etwas – sowie Pflege und Fürsorge reihen sich hier ein: Ein Miteinander ist nicht als Handel oder gar Ausbeutung zu verstehen, sondern als gegenseitige Kultur des Schenkens, die Beziehung(en) aufbaut.[16] Nicht zuletzt Dürbeck, Stobbe und Zemanek fokussieren den »wechselseitige[n] Austausch« im Interspezies-Kontakt[17] (siehe natureculture-Ansatz nach Haraway) und üben im Sinne Haraways Kritik an Natur-Kultur-Dichotomie. [18]

Aspekte von Menschen-Pflanzen-Verhältnissen Solche Zugänge finden in Hinblick auf unterschiedliche literatur- und kulturwissenschaftliche Themenfelder in historisch wie neuzeitlich ausgerichteten Disziplinen Anwendung, wobei die folgende Auflistung eine offene und nicht hierarchisch zu denken ist:

• Kultur und Medien: Literatur,[19] (bildende) Kunst,[20] Theater,[21] Filme,[22] Games,[23] Kulinarik • Religionen, indigene Praktiken[24] wie das Buen Vivir in Ecuador und Medizin(-philosophie)[25] • Landwirtschaft und Ernährung • Institutionen: Forschungseinrichtungen und Wissenschaft, Politik, Architektur und Immobilien, Stadt- und Landschaftsplanung, (Klima-)Aktivismus, NGOs[26] • …

Bei all diesen Bestrebungen ist einzuwenden, dass die Perspektiven der Plant Studies unweigerlich anthropozentrisch sind, also „auf den menschlichen Vorstellungen von Sprache und Kommunikation basier[en].“ [27] Nichtsdestoweniger fördern die Plant Studies das Bewusstsein für die Relevanz von Pflanzen[28] in unterschiedlichen Kontexten. Im Folgenden stehen verschiedene Einzelaspekte von Menschen-Pflanzen-Relationen im Fokus.

1. Pflanzen als handlungsrelevante Entitäten Stobbe, Kramer und Wanning fragen in kulturellen und literarischen Kontexten danach, „[w]ie viel Raum [...] der Text Pflanzen hinsichtlich ihrer Redeanteile, als Handlungsort, als handlungsrelevante Entität [gibt]“. [29] Dem liegt ein weiter Textbegriff zugrunde, d. h. unter ‚Text‘ fallen nicht nur in Schriftzeichen verfasste, kohärente und kohäsive Sinneinheiten, sondern auch andere Medien wie Bild, Film, Game und Musik. Handlungsrelevanz bedeutet nicht, dass Pflanzen „reine[...] Plottreiber“[30] seien, sondern sie konstituiert sich über unterschiedliche Aspekte von Pflanzen als Figuren mit eigener Zeit, Stimme, Raum[31] und Ort . Diese verlangen eine Neuausrichtung im Climate ThinkingSprechen über den, im Erzählen vom und im Nachdenken über den Klimawandel. So gilt es, pflanzliche Figuren • in unterschiedlichen literarischen Gattungen vom Blickwinkel einer „dominant gesetzten Menschenbezogenheit“ [32] oder von metaphorischen, anthropozentrischen Perspektiven zu lösen; • nicht menschlich gedachter Zeit unterzuordnen, sondern ihre „Eigenzeiten“ [33] zu erfassen; • in ihren ganz eigenen Stimmen wahrzunehmen, die für die Menschen nicht akustisch hörbar sind; • in ihrer Verankerung im Raum (space, geometrisch oder topografisch abstrahiert[34]) zu bedenken, anstatt sie davon zu separieren;[35] • und ihre Gebundenheit an einen Ort oder eine Örtlichkeit (place, konkret lokalisierbarer Raum, dem Bedeutung beigemessen wird[36]) mitzudenken. Dabei können sich „die Grenzen zwischen animalischen und vegetabilen, zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Wesen“ [37] verschieben.

2. Pflanzen als Handlungsträgerinnen Pflanzen können über ihren Figurenstatus hinaus auch Handlungsträgerinnen sein. In diesem Kontext stellt sich die Frage nach agency und ihrem Akteurinnenstatus. Der Begriff agency kann in Handlungs- und Wirkungsmacht unterteilt werden; erstere bedeutet, dass Pflanzen Dinge tun können, während zweitere impliziert, dass Pflanzen andere dazu bringen, etwas zu tun.[38] Dabei ist es wichtig, unter agency „nicht automatisch einen menschenähnlichen Subjektstatus [zu] verstehen.“[39]

3. Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und anderen Entitäten Gerade in Hinblick auf Handlungsrelevanz und agency werden Wechselwirkungen zwischen pflanzlichen und weiteren Entitäten sichtbar. Um diese Wechselwirkungen zu untersuchen, eignet sich Latours ANT, die von einem dynamischen Netzwerk-Gedanken geprägt ist: „[D]ie Entitäten treten durch die Handlung in ein Netzwerk ein, an dem sie konstitutiv teilhaben.“[40] Dadurch sind Netzwerke stets nach außen geöffnet, „mit anderen Netzwerken verbunden und somit interkonnektiv“[41]. Netzwerke stellen jedoch nicht nur Metaphern oder Vergleiche dar, sondern können als ganz konkretes Analysewerkzeug verwendet werden.

4. Differenzen von Pflanzen und anderen Entitäten In Hinblick auf Menschen-Pflanzen-Verhältnisse ist nicht zuletzt interessant, wie und wodurch pflanzliche Entitäten sich von nicht-pflanzlichen Figuren absetzen. Mithilfe der Frage, wie „stabil bzw. porös […] die Grenzen zwischen den Wesen [sind]“[42], lassen sich hybride und anthropomorphe Figuren untersuchen.

Ausblick Die Auseinandersetzung mit Menschen-Pflanzen-Verhältnissen eröffnet nicht nur neue Perspektiven auf die Rolle von Pflanzen in unserem Leben, sondern fordert auch ein grundlegendes Umdenken in der Art und Weise, wie wir diese Beziehungen wahrnehmen und gestalten. Die Konzepte der Pflanzenblindheit und der Interrelationen zwischen Menschen und Pflanzen verdeutlichen, dass ein tiefes Verständnis für die Bedeutung pflanzlichen Lebens in der Biosphäre und in menschlichen Angelegenheiten unerlässlich ist.

Weiterführendes [43] [44] [45] [46] [47]

  1. Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli (2022): Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung. Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung, Berlin: Peter Lang, S. 11-31, hier S. 16. Stobbe, Urte (2025): Plant Studies. In: Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian (Hrsg.): Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘, Berlin/Boston: de Gruyter, S. 417-434, hier S. 426.
  2. Wandersee, James H./Schussler, Elisabeth E. (2001): Towards a Theory of Plant Blindness. In: Plant Science Bulletin. Bulletin of the Botanical Society of America 47(1), S. 2-9, hier S. 3. Online, zuletzt abgerufen am 10.03.2025.
  3. Wandersee, James H./Schussler, Elisabeth E. (2001): Towards a Theory of Plant Blindness. In: Plant Science Bulletin. Bulletin of the Botanical Society of America 47(1), S. 2-9, hier S. 3. any.org/userdata/IssueArchive/issues/originalfile/PSB_2001_47_1.pdf Online, zuletzt abgerufen am 10.03.2025.
  4. Wandersee, James H./Schussler, Elisabeth E. (2001): Towards a Theory of Plant Blindness. In: Plant Science Bulletin. Bulletin of the Botanical Society of America 47(1), S. 2-9, hier S. 3. Online, zuletzt abgerufen am 10.03.2025.
  5. Stobbe, Urte (2025): Plant Studies. In: Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian (Hrsg.): Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘, Berlin/Boston: de Gruyter, S. 417-434, hier S. 418.
  6. Stobbe, Urte (2025): Plant Studies. In: Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian (Hrsg.): Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘, Berlin/Boston: de Gruyter, S. 417-434, hier S. 419.
  7. Stobbe, Urte (2025): Plant Studies. In: Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian (Hrsg.): Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘, Berlin/Boston: de Gruyter, S. 417-434, hier S. 417.
  8. Woolhouse, Mark E. J./Webster, Joanne P./Domingo, Esteban/Charlesworth, Brian/Levin, Bruce R. (2002): Biological and biomedical implications of the co-evolution of pathogens and their hosts. In: nature genetics Online, zuletzt abgerufen am 10.03.2025.
  9. Stephens, Christopher (2004): Selection, Drift, and the “Forces” of Evolution. In: Philosophy of Science
  10. Winiwarter, Verena/Knoll, Martin (2007): Umweltgeschichte. Eine Einführung. Köln: Böhlau Verlag, S. 245.
  11. Stobbe, Urte (2025): Plant Studies. In: Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian (Hrsg.): Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘, Berlin/Boston: de Gruyter, S. 417-434, hier S. 424.
  12. Latour, Bruno (2022): Eine neue Soziologie für enie neue Gesellschaft. Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
  13. Haraway, Donna (2003): The Companion Species Manifesto. Dogs, People, and Significant Otherness. Chicago: Prickly Paradigm Press.
  14. Haraway, Donna (2016): Staying with the Trouble. Making Kin in the Chthulucene. Durham/London: Duke University Press.
  15. Kimmerer, Robin Wall (2013): Braiding Sweetgrass. Indigenous Wisdom, Scientific Knowledge, and the Teaching of Plants. Minneapolis: Milkweed Editions.
  16. Kimmerer, Robin Wall (2013): Braiding Sweetgrass. Indigenous Wisdom, Scientific Knowledge, and the Teaching of Plants. Minneapolis: Milkweed Editions, S. 20-21.
  17. Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte/Zemanek, Evi (2023): Netzwerke des Lebendigen: Multispecies agencies und Formexperimente in hybriden Genres. Einleitung. In: Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte/Zemanek, Evi (Hrsg.): Netzwerke des Lebendigen: Multispecies agencies und Formexperimente in hybriden Genres, Göttingen: V & R unipress, S. 9-12, hier S. 10.
  18. Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli (2022): Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung. Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung, Berlin: Peter Lang, S. 11-31, hier S. 18.
  19. Preis, Ann-Katrin (2025): Vegetal Agency and Ecofeminist Resistance. Daphne du Maurier’s „The Apple Tree“. In: Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (Hrsg.): Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe, Bielefeld: transcript, S. 109-130. Probst, Simon (2023): Posthumanistische Ästhetik der Metamorphose: Baum-Menschen und Stein-Werdungen in der narrativen Multimedia-Arbeit von Nonhuman Nonsense. In: Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte/Zemanek, Evi (Hrsg.): Netzwerke des Lebendigen: Multispecies agencies und Formexperimente in hybriden Genres, Göttingen: V & R unipress, S. 107-122. Dürbeck, Gabriele (2023): Das Blatt als medialer Filter: fragile Mensch-Pflanze-Beziehungen in Anna Ospelts Wurzelstudien. In: Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte/Zemanek, Evi (Hrsg.): Netzwerke des Lebendigen: Multispecies agencies und Formexperimente in hybriden Genres, Göttingen: V & R unipress, S. 139-156.
  20. Jungen, Thari/Nastold, Friederike (2025): Umgraben, Kompostieren, Netz-Werken. Mehr-als-menschliche Gefährt*innen gärtnern. In: Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (Hrsg.): Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe, Bielefeld: transcript, S. 85-108.
  21. Persing, Catherin (2025): Pflanzen performen. Bühnen des Mehr-als-Menschlichen im Anthropozän. In: Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (Hrsg.): Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe, Bielefeld: transcript, S. 29-51.
  22. Engelhard, Sarah (2025): „This was an act of nature, and we’ll never fully understand it.“ Wenn Pflanzen die menschliche Bevölkerung zum Suizid bringen. In: Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (Hrsg.): Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe, Bielefeld: transcript, S. 203-229.
  23. Hinterleitner, Lisa (2025): Wie man eine Nirnwurz zum Schweigen bringt. Interdependenzen zwischen spielerischer und vegetabiler agency in Open-World-Spielen und Strategiespielen. In: Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (Hrsg.): Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe, Bielefeld: transcript, S. 53-84.
  24. Kimmerer, Robin Wall (2013): Braiding Sweetgrass. Indigenous Wisdom, Scientific Knowledge, and the Teaching of Plants. Minneapolis: Milkweed Editions.
  25. Romfeld, Elsa (2025): Der Ruf der Pflanze. Eine Erinnerung an unsere natürliche Verbundenheit. In: Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (Hrsg.): Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe, Bielefeld: transcript, S. 177-202.
  26. Sternath, Sophia (2025): Eco Enzyme. Tackling the Climate Catastrophe with Plant-Based Reusable Products. In: Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (Hrsg.): Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe, Bielefeld: transcript, S. 151-176.
  27. Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli (2022): Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung. Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung, Berlin: Peter Lang, S. 11-31, hier S. 17.
  28. Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli (2022): Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung. Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung, Berlin: Peter Lang, S. 11-31, hier S. 18.
  29. Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli (2022): Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung. Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung, Berlin: Peter Lang, S. 11-31, hier S. 16.
  30. Weik von Mossner, Alexa (2015): Grüne Filmstudien. In: Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte (Hrsg.): Ecocriticism: Eine Einführung, Köln: Böhlau Verlag, S. 271-281, hier S. 274.
  31. Stobbe, Urte (2025): Plant Studies. In: Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian (Hrsg.): Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘, Berlin/Boston: de Gruyter, S. 417-434, hier S. 427.
  32. Stobbe, Urte (2025): Plant Studies. In: Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian (Hrsg.): Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘, Berlin/Boston: de Gruyter, S. 417-434, hier S. 427.
  33. Stobbe, Urte (2025): Plant Studies. In: Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian (Hrsg.): Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘, Berlin/Boston: de Gruyter, S. 417-434, hier S. 427.
  34. Buell, Lawrence (2005): The Future of Environmental Criticism. Environmental Crisis and Literary Imagination. MA/Oxford, UK: Blackwell Publishing, S. 63.
  35. Stobbe, Urte (2025): Plant Studies. In: Nesselhauf, Jonas;Weber, Florian (Hrsg.): Handbuch kulturwissenschaftliche ‚Studies‘, Berlin/Boston: de Gruyter, S. 417-434, hier S. 427.
  36. Buell, Lawrence (2005): The Future of Environmental Criticism. Environmental Crisis and Literary Imagination. MA/Oxford, UK: Blackwell Publishing, S. 63.
  37. Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli (2022): Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung. Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung, Berlin: Peter Lang, S. 11-31, hier S. 16.
  38. Latour, Bruno (2022): Eine neue Soziologie für enie neue Gesellschaft. Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 88.
  39. Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (2025): Menschen-Pflanzen-Netzwerke und vegetabile agency in der Klimakatastrophe. Einleitung. In: Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (Hrsg.): Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe, Bielefeld: transcript, S. 9-25, hier S. 10.
  40. Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (2025): Menschen-Pflanzen-Netzwerke und vegetabile agency in der Klimakatastrophe. Einleitung. In: Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (Hrsg.): Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe, Bielefeld: transcript, S. 9-25, hier S. 13.
  41. Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (2025): Menschen-Pflanzen-Netzwerke und vegetabile agency in der Klimakatastrophe. Einleitung. In: Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (Hrsg.): Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe, Bielefeld: transcript, S. 9-25, hier S. 18.
  42. Stobbe, Urte/Kramer, Anke/Wanning, Berbeli (2022): Einleitung: Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung. Literaturen und Kulturen des Vegetabilen. Plant Studies – Kulturwissenschaftliche Pflanzenforschung, Berlin: Peter Lang, S. 11-31, hier S. 16.
  43. Chamovitz, Daniel (2019): Was Pflanzen wissen. Wie sie hören, schmecken und sich erinnern. München: Goldmann.
  44. Sternath, Vanessa-Nadine/Lang, Silvie/Riess, Christine (Hrsg.) (2025): Menschen-Pflanzen-Netzwerke. Vegetabile agency in der Klimakatastrophe. Bielefeld: transcript.
  45. Kimmerer, Robin Wall (2013): Braiding Sweetgrass. Indigenous Wisdom, Scientific Knowledge, and the Teaching of Plants. Minneapolis: Milkweed Editions.
  46. Le Guin, Ursula K. (2019): The Carrier Bag Theory of Fiction. Introduced by Donna Haraway. Glasgow: BookSource.
  47. Dürbeck, Gabriele/Stobbe, Urte/Zemanek, Evi (Hrsg.) (2023): Netzwerke des Lebendigen: Multispecies agencies und Formexperimente in hybriden Genres. Göttingen: V & R unipress.